Zwei Lehrsätze der Thermodynamik lauten bekanntermaßen:
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Ein System strebt immer nach maximaler Unordnung
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Um das System wieder zu ordnen, muss Energie aufgewandt werden
Eine schöne – komplexe – Defintion von ‘Komplexität’ lautet dann noch:
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Die Eigenschaft eines Systems oder Modells, welche die Beschreibungen seines Gesamtverhaltens in einer beliebigen Sprache erschwert, selbst wenn man vollständige Informationen über seine Einzelkomponenten und ihre Wechselwirkungen besitzt. (Quelle: http://www.angl.hu-berlin.de/faculty/haertl/files/habil_hhaertl.pdf)
Häh? Worauf will er hinaus? Abwarten, kommt gleich!
Auch das gesetzliche Regelungswerk eines Staates ist ein System und die Sozialgesetzgebung (in Deutschland oder sonstwo) darf durchaus als Subsystem definiert werden.
Hierauf den ersten der o.a. Lehrsätze angewandt heißt: Notgedrungen (weil eben naturgesetzlich) strebt auch dieses System nach Unordnung. Und das ist das, was man in der Praxis eines Sozialamtes jeden Tag mit Verwunderung beobachtet. Zwei Beispiele:
Es gibt eine Vielzahl von Sozialleistungen, die dem gleichen Zweck (im Wesentlichen der Existenzsicherung) dienen:
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BAföG – für Studierende
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Unterhaltsvorschuss – für Kinder, deren Väter nicht zahlen
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Wohngeld – wenn die Miete nicht tragbar ist
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Arbeitslosengeld II – Existenzsicherung für Erwerbsfähige
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Sozialhilfe / Hilfe zum Lebensunterhalt – für vorübergehend Erwerbsunfähige
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Sozialhilfe / Grundsicherung – für dauerhaft Erwerbsunfähige
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wahrscheinlich habe ich noch was vergessen …
Natürlich hat jede Leistung ihre eigenen Voraussetzungen, manche ergänzen sich, manche schließen sich gegenseitig aus; wenn sich welche überschneiden, hat der eine dem andere was zu erstatten; beantragen muss man es jeweils woanders; mal kommt es aus Steuern, mal aus Beiträgen; mal als Darlehen, mal als Zuschuss … ad infinitum – Komplex? Ja! Unordentlich? Sieht wohl so aus! – Ein den Naturgesetzen unterworfenes System halt ….
Zweites Beispiel: Die Finanzierung des Aufenthaltes eines pflegebedürftigen Menschen in einem Pflegeheim:
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Die Pflegekasse leistet einen Zuschuss
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Für die Investitionskosten gibt es in manchen Bundesländern Pflegewohngeld
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Die Kinder müssen evtl. einen Teil als Unterhalt zahlen
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Je nach Einkommen gibt es Wohngeld im Heim
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Ein Beamter hat noch einen Beihilfeanspruch
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dann kommt erst die Sozialhilfe, aber unter Berücksichtigung von drei verschiedenen Leistungsarten mit wieder verschiedenen Einkommensanrechnungsvorschriften
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Hilfe zum Lebensunterhalt
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Grundsicherung
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Einkommenseinsatz bei vorübergehender Pflegebedürftigkeit
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Einkommenseinsatz bei dauerhafter Pflegebedürftigkeit
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Hilfe zur Pflege
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Einkommen oberhalb einer Einkommensgrenze
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Einkommen unterhalb einer Einkommensgrenze
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Komplex? Auf jeden Fall! Unordentlich? Nicht, wenn man seit Jahren drin steckt und den ganzen Tag nichts anderes macht, anderenfalls hingegen: Ja! – Ein den Naturgesetzen unterworfenes System halt ….
Weitere Beispiele gefällig? Nur auf Anfrage oder später mal hier…
Was folgt aus dem Gesagten? Das, was bei den obigen Lehrsätzen als Zweites steht: man muss Energie aufwenden, um die Ordnung wieder herzustellen. An dieser Stelle stellt sich dann aber die Frage , wie man bei der notwendigen Wiederherstellung der Ordnung die Summe der aufgewendeten Energie minimieren kann, denn das sollte ja doch wohl das Ziel sein.
Zurzeit bleibt nichts anderes übrig, als die Ordnung in jedem Fall einzeln wieder herzustellen, will sagen: Der nachfragende Bürger kämpft sich mit Hilfe oder manchmal auch gegen den Widerstand der anbietenden Behörden respektive ihrer sachbearbeitenden Vertreter durch die Gesetzeswälder und versucht, Ordnung ins System zu bringen. Das kostet dauerhaft millionenfach kleinere Energieeinheiten.
Alternative wäre: Der Gesetzgeber bringt grundsätzlich Ordnung ins System. Das kostet vorüber gehend tausendfach größere Energieeinheiten.
Um nun abschließend die Wahl zwischen den Alternativen treffen zu können, müssten man abschätzen, welcher Energiebetrag höher ist:
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dauerhaft Millionen kleine Energieeinheiten, oder
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vorüber gehend tausende etwas größere Energieeinheiten.
Rechenaufgabe: Was ist größer – 1. oder 2.? Ich hab da eine Vermutung …
Ironie? Leider nur ein ganz klein wenig!