Leben mit Hartz-IV – zwei Selbstversuche
Verfasst von welfareandeconomics am Sonntag, 24. Februar 2008
Ich bin leider erst heute richtig aufmerksam geworden auf die Statements von Thilo Sarrazin zum ausreichenden Sozialhilferegelsatz. Lassen wir mal die Frage dahin gestellt, ob die Aktion mit dem Speiseplan „geschmacklos“ in die eine oder andere Richtung ist.
In meinem Unterricht resp. den Vorlesungen ist es mit immer wichtig, auch zu versuchen, die andere Seite des Schreibtisches mit einzubeziehen. Irgendwie sollte ein Sozialhilfesachbearbeiter schon ein gewisses Gefühl dafür haben, wie sich die Menschen fühlen, wenn sie Transferleistungen erhalten und davon leben müssen. In der nächsten Woche gibt es deswegen für einen Teil meiner Auszubildenden eine Projekttag. Sie werden in verschiedenen sozialen Einrichtungen tätig sein und dort ausdrücklich einen Perspektivwechsel einnehmen, d.h. sie werden beispielsweise als 1-Euro-Jobber ganz konkret arbeiten. Damit ich nicht unglaubwürdig wirke, werde ich mitmachen.
Nächste Woche also einen Tag Urlaub von der Arbeit und dann den Tag lang Gummistiefel an und mit den Kunden zusammen irgendwelche Gräben ausschachten. Ich werde Ende der Woche ausführlich darüber berichten.
Heute habe ich nun die Berliner Diskussion um die Ernährung vertieft aufgenommen und bevor ich’s mir anders überlege, veröffentliche ich hier meinen Entschluss: Ich werde einen Monat lang versuchen, mit dem Regelsatzanteil für Ernährung hinzukommen.
Sarrazin errechnet 4,25 € pro Tag. Ich komme beim Nachvollziehen auf etwas andere Beträge, aber sei’s drum: ich nehme die 4,25 €. Meine Frau hat dazu keine Lust und macht nicht mit, da muss ich also den Monat über mich autark versorgen. Ich nehme den 1. bis 30. April 2008 und werde täglich hier in meinem blog über die Erfahrungen berichten und meine Einkäufe dokumentieren. Meine Studenten und Auszubildenden sind eingeladen mitzumachen und sich dem Projekt anzuschließen.
Noch ein paar Rahmendaten: Ich bin Vegetarier und das wird sich auch in diesem Monat nicht ändern. Normalerweise kaufe ich (fast) nur Lebensmittel ohne chemische Zusätze (Geschmacksverstärker, irgendwelche E..’s, Gewürzmischungen usw.) und kaufe Backwaren ausschließlich beim Bio-Vollkornbäcker. Wir gehen relativ häufig essen, wobei dies meistens recht günstig beim Türken. Was von alldem mit Hartz-IV übrig bleibt, muss abgewartet werden. Aber gut, es ist gesagt und so soll’s sein.
Ich werde den Monat bis dahin nutzen, meine Vorräte aufzubrauchen. Passenderweise haben wir einen Penny-Markt direkt im Haus, mal sehen, was die im Angebot haben.
Hier noch ein paar Links zu Sarrazins Aussagen
http://www.welt.de/berlin/article1649762/SPD-Politiker_entwickelt_Hartz-IV-Speiseplan_.html
und der offiziellen Regelsatzermittlungs- und -berechnungsmethode
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2005/regelsatz_01.pdf
blondesalien sagte
Naja, viel Spaß dabei
Ist ja nur ein Monat. Ich durfte das Spiel fast zwei Jahre mitmachen, wobei ich das eine Jahr auch noch in Vollzeit, also mit 40 Wochenstunden, gearbeitet habe und das andere wenigstens zur Hälfte als Vollzeitpraktikanten hinter mich bringen durfte. Aber das ist egal und vorbei.
Wesentlich wichtiger ist, daß der Satz von 4 Euro nochwas allein für Lebensmittel mMn reichlich fiktiv ist. Ich jedenfalls musste von den 345 Euro Regelsatz knapp 80 Euro Strom, 50 Euro Telefon/Internet, 100 Euro für mein Fernstudium und ca. 100 Euro Kreditschulden und Versicherungskosten abziehen. Geblieben sind mir ca. 150 Euro (Freibetrag + Zuverdienst), von denen dann Essen, Kleidung, Bücher, ÖPNV-Kosten und sonstiges bezahlt werden musste.
Als das alles vorbei war, musste ich mir den Frust von der Seele schreiben (obwohl das eigentlich kein bißchen in mein Blogkonzept passte). Falls Sie also nicht genau wissen, was auf Sie zukommt, hier eine kurze Anleitung für angehende Arme: Arme Sau
Abgesehen davon finde ich Ihre Aktion wirklich lobenswert. Ich arbeite ja jetzt auch „auf der anderen Seite des Schreibtischs“ – ausgerechnet – und stelle jeden Tag auf’s neue fest, wie dankbar die ALGII-Empfänger sind, jemanden vor sich zu haben, der genau weiß, wie sie sich fühlen und was sie durchmachen müssen. Und, das Wichtigste überhaupt, jemanden, der sie wie Menschen behandelt.
savaran sagte
Ich bin es als Betroffener ALG-II-Bezieher allmählich ziemlich satt, mit karnevalistisch anmutenden Einlagen von Personen aus dem anderen Lager – die allesamt auf MEINE Knochen existieren (!) und an Hartz IV doch zweifelsohne verdienen – à la „Gucken-wir-mal-wie-das-Bettelpack-so-vegetiert-Event“ beglückt zu werden!
Warum stellen SIE sich als ach so toller Experte nicht in der Öffentlichkeit hin und verbreiten die frohe Kunde, dass Hartz IV gegen internationales Völkerrecht verstößt?
Warum verbreiten SIE nicht den Inhalt der Siebenhaar-Papiere an jedem Laternenpfahl?
Warum belegen SIE nicht den Energiebetrug durch die Kommunen, welche sich durchwegs sträuben, Heizkosten in voller Höhe zu übernehmen?
(Siehe meinen Blog für nähere Details.)
Und der Spuk wäre aus!
Das dumme Herumgerechne hätte ein Ende …
Aber all das tun SIE nicht! – Ebenso wenig wie der Thomé und der Behrsing und all die anderen Parvenues!
Mit besten Empfehlungen
Der_Arge
savaran sagte
Ergänzung (ich werde noch wahnsinnig mit dieser Blogprogrammierung …):
savaran.wordpress.com
Der_Arge
adimin sagte
Sicherlich ist der Versuch löblich. Wenn er denn konsequent durchgeführt wird.
Weiterhin sollte man sich aber auch einmal in die Lage der unzähligen Schwerbehinderten Menschen versetzen. Ein Schwerbehinderter Mensch mit 3,5 Std arbeitsfähigkeit z.B. bekommt keinen Mehrbedarf von 17 % und wenn er auch noch längerfristig krank ist oder keine Maßnahme für ihn gefunden werden kann auch keine 35 % .
Leider erhält dieser Mensch auch keine Hilfen wie z..b. Haushaltshilfe oder ähnliches.
Alles, was dieser Mensch benötigt wegen seiner Behinderungen muß er aus eigener Tasche bezahlen.
Da steht ein Mensch schnell vor den Fragen: Medikamente oder Essen. Hilfe oder Strom. Usw.Usw.
Ich könnte noch viele Beispiele nennen.
Bei Interesse bitte melden.
Sandra Burger sagte
An dieser Stelle der Hinweis auf (m)ein Statement an anderer Stelle:
http://welfareandeconomics.wordpress.com/2008/04/15/selbstversuch-leben-mit-hartz-iv-15-tag/#comment-45
Insbesondere den „Fallmanagern“ & Sachbearbeitern sei zu Lektüre empfohlen:
Nur die dümmsten Kälber rufen ihren Schlachter selber!
http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=2203664&postcount=4551
Der alte Trick von Taschendieben hat einen neuen Namen: “Hartz IV”
http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=2190398&postcount=4118
[INFO + PROGNOSE]
Existenzminimum • Hartz IV • Grundfreibetrag • EVS
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/forum/thread.asp?FacId=917319
Liebe Grüße:.
san.draB@web.de
welfareandeconomics sagte
Darf ich annehmen, dass der einzige Sinn dieses Kommentars im Pushen des verlinkten Forums besteht? Na, mir soll’s egal sein. Wenn Sie einen „echten“ Kommentar haben, hätten sie den aber auch gerne hier schreiben dürfen.
Sandra Burger sagte
Antwort auf Herrn Ruschmeiers Frage
Darf ich annehmen, dass der einzige Sinn dieses Kommentars im Pushen des verlinkten Forums besteht?
Nun, Herr Ruschmeier, noch einmal: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem „Selbstversuch“. Was Sie dort – in aller Öffenlichkeit – vorrechnen, sollte die Überschrift resp. den Titel tragen:
Hallo liebe Kollegen: Seht her, was „Papa Staat“ uns Sachbearbeitern (Arbeitnehmern) zum „Leben“ lässt.
Noch einmal sei daran erinnert, dass die Entlohnung eines „Fallmanagers“ bzw. Sachbearbeiters in der Regel (bekanntlich) gemäß BAT VII/BAT VIII erfolgt.
http://foren.duisburg.de/sa_disk/viewtopic.php?p=42758&sid=2f06e29dab43fab4cc1d20d058c32a3a#42758
Noch einmal sei daran erinnert, dass man/frau mit diesem Salär nur wirkich keine „großen Sprünge“ machen kann.
Übrigens, Herr Ruschmeier:
Mich würde – brennend (!) – interessieren, ob Sie eventuell auch INHALTLICH etwas zu den im obigen Beitrag dargestellten (sozial- resp. steuer- resp. gesellschaftspolitischen) Zusammenhängen zu sagen haben. – Vgl. die Hyperlinks in
http://welfareandeconomics.wordpress.com/2008/02/24/leben-mit-hartz-iv-zwei-selbstversuche/#comment-46
Beste Grüße:.
san.draB@web.de
welfareandeconomics sagte
Nun ich gestehe, dass ich nach wie vor nicht durch Ihre Kommentare durchblicke (vielleicht liegt’s am Vitaminmangel?):
Worum geht es? Um die Höhe des Regelsatzes, die Vergütung für Sachbearbeiter oder kritik an meinem Selbstversuch? Die verlinkten Forumseinträge von Ihnen sind ähnlich kryptisch.
Wenn Sie hier also ernsthaft diskutieren möchten, schreiben Sie bitte einen Text mit Ihren Anmerkungen.
nefertari1968 sagte
… bevor ich mich durch die kommenden (inzwischen vergangenen) Tage der kurzen Selbsterfahrung „wühle“… möchte ich gern loswerden, dass ich solche Selbstversuche für mich gespalten wahrnehme.
Auf der einen Seite ist es sicherlich gut und löblich, seinen Horizont zu erweitern und zu erfühlen, wie es betroffenen Menschen geht.
Auf der anderen Seite ist so ein Selbstversuch endlich und somit letztlich erträglich – das ist das reale Leben für viele Betroffene allerdings nicht. Als ich nach meinem Job und dem Mutterschaftsgeld der Krankenversicherung in die ALG II-Mühlen geriet, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass dieser Zustand derart lange dauert.
Nach der vergeblichen Suche nach einem Kindergartenplatz und zwei Augenoperationen neben einer „erwachten“ Hashimoto Thyreoiditis, sehe ich meine Zukunft längst nicht mehr sonnig, sondern mitunter eher illusionslos.
Als gelernte Kauffrau kann ich natürlich mit Geld umgehen – gelernt ist schließlich gelernt – aber… würde ich so rechnen, wie Herr Ruschmeier – sorry – wären wir hier schon mit Pauken und Trompeten untergegangen.
Es gibt da nämlich ein paar Spitzfindigkeiten bei der Aufteilung des Regelsatzes…z.B. wird Warmwasserbereitung über Strom immer mehr kosten als Warmwasserbereitung über die Heizanlage. Der geneigte Leser ahnt sicherlich wie ich mein Warmwasser erzeuge
und kann sich vorstellen, wie kostenaufwendig mein Stromverbrauch mit Spielplatz-Kleinkind wohl sein wird, auf alle Fälle liegt er höher als der pauschale Abzug bei ALG II-Beziehern, die ihr warmes Wasser über die Heizung erhalten…
Aber das nur nebenbei… wie vermutlich viele Menschen, habe auch ich in meiner Arbeitnehmerzeit „gesündigt“, denn früher auf dem Land lebend, musste ich ein Kfz unterhalten und habe noch Schulden, die ich brav abtrage…
Wenigstens ist inzwischen die Waschmaschine abbezahlt – meine alte Waschmaschine ist vor 14 Monaten „aufgeraucht“ – mangels Auto und Möglichkeit der Altgeräteentsorgung waren mir bei der Neubeschaffung leider Grenzen in der Flexibilität gesetzt, lediglich nach einem geringen Preis zu schauen… naja – und dann wäre da noch der Stromverbrauch, den ich ja hier bezüglich Folgekosten ebenfalls beachten muss….
Als treusorgende Mutter habe ich meinem Sohn nun eine Haftpflichtversicherung gegönnt – dummerweise musste ich mich auch versichern um ihn versichern zu können – aber das sind Feinheiten, die wir jetzt mal außen vor lassen…
Auch möchte ich nicht mit Eigenanteilen für Arztbesuche, Medikamente oder Kontoführungsgebühren nerven – Fakt ist – und das ist der springende Punkt, einige Dinge sieht der Regelsatz so nicht vor…
Dazu gehören auch die Schuhe, die mein Sohn ständig benötigt und ein paar andere Dinge… wie Steckdosensicherungen, Türgitter, (Lern)Spielzeug, Bekleidung etc. pp.
Es wird also Monat für Monat genau errechnet, was für Fixkosten anfallen – diese werden vom Lebensetat abgezogen und der „Rest“ muss reichen. Eltern werden dabei ihre Kinder bevorzugt versorgen, das liegt in der Natur der Sache – deswegen macht es keinen Sinn so einen Versuch nur für sich selbst zu vollziehen, die ganze Familie muss involviert werden, damit reale Beträge für die Einzelperson verbeiben…
… und… ein Monat reicht da auch nicht.
…es ist dann sicherlich schwierig den Sohn aus dem Sportverein nehmen zu müssen, wenn der Selbstversuch länger als 4 Monate dauert.
…..dann wird es nicht nur für das sog. „soziokulturelle“ Existenzminimum nicht ausreichen… auch nicht für einen „Kaffee im Gehen“ – da wird Toast und Billigwurst den Tag des erwachsenen Beteiligten diktieren… und damit man dabei nicht verkommt, lässt man einmal am Tag eine Magnesium bzw. eine Vitamin-Brausetablette in sein Leitungswasser fallen.
… aber… ich werde jetzt erst einmal weiterlesen
welfareandeconomics sagte
“ wird also Monat für Monat genau errechnet, was für Fixkosten anfallen – diese werden vom Lebensetat abgezogen und der “Rest” muss reichen. Eltern werden dabei ihre Kinder bevorzugt versorgen, das liegt in der Natur der Sache – deswegen macht es keinen Sinn so einen Versuch nur für sich selbst zu vollziehen, die ganze Familie muss involviert werden, damit reale Beträge für die Einzelperson verbeiben…“
Können Sie hier mal einstellen, was nach Abzug der „Fixkosten“ Ihnen tatsächlich verbleibt für die Ernährung und andere nicht-fixe Ausgaben?
nefertari1968 sagte
Das macht wenig Sinn, da es unterschiedlich hohe Werte sind – je nachdem, ob Bekleidung für meinen Sohn anfällt, oder ich ein Haushaltsgerät abzahle (was ich kürzlich leider über ein volles Jahr hinweg vollziehen musste).
… aber ich kann gern aufzählen, welche Belastungen wir monatlich (ohne besondere Ausgaben!)haben:
35 Euro Telefon und Internet (ohne Telefonflat!)
41 Euro Kredit aus 1999, den ich eisern zurückführe
77 Euro Strom und Warmwasser (über Strom!)
10 Euro für Kontoführungs- und Praxisgebühren
11 Euro Haftpflichtversicherung
10 Euro Hausratversicherung
60 Euro Windeln
… ich kann das auch gern alles begründen…
… ich telefoniere selten, daher komme ich mit den 35 Euro aus… die 41 Euro Ratenlast trage ich ab, weil sich dafür eine Privatinsolvenz 1) nicht rechnet und ich 2) kreditwürdig bleiben möchte – die 77 Euro für Strom werden sich reduzieren, da ich inzwischen einen C-Klasse Kühlschrank erneuern konnte und meine energieverschwendende Waschmaschine ebenfalls ausgetauscht ist, derzeit zahle ich allerdings diesen Betrag für meinen Sohn und mich… und nach Ermittlung mit einem Messgerät leider zu gut 2/3 für die Erzeugung von Warmwasser. Kontoführungsgebühr versteht sich von selbst… Praxisgebühr zahle ich, da ich eine Erkrankung habe, mit der ich regelmäßig einen Arzt aufsuchen muss… Die Haftpflichtversicherung ließ sich nicht ausschließlich für meinen Sohn abschließen – ich hielt sie allerdings für notwendig, da ich für Schäden mangels Schonvermögen nicht aufkommen könnte. Eine Hausratversicherung halte ich für unabdingbar, weil ich natürlich auch einmal ein normales Leben hatte und Möbel nicht ersetzen könnte, falls etwas passiert. Die Position „Windeln“ mutet vielleicht lächerlich an – der Betrag wird sich jetzt auch laufend reduzieren… bislang ist es allerdings ein richtiger Kostenbrocken, an dem ich nicht vorbei komme.
Der Restbetrag, den sie sicherlich ermitteln können
, verbleibt uns für den Lebensunterhalt, also für Ernährung, Kinderbekleidung, Spielzeug, Waschmittel, Putzmittel, Straßenbahnkarten, Körperpflege, Kleinreparaturmaterial wie Kleber, Gips, Farbe (Haushalt mit Kleinkind eben…)Bagatellmedikamente (keine Kassenleistung), Katzenfutter und Streu (ich werde meine beiden 18 und 20 Jahre alten Katzen nicht einschläfern lassen!), Hygieneartikel, Energiesparbirnen, Porto… na all das eben…
… meine einzigen Hobbys: mein Kind, mein Forum und meine Katzen… das Lesen von Büchern habe ich mir ebenso abgewöhnt, wie das Essengehen oder den „Kaffee im Gehen“ sowie meine ehedem… heißgeliebten Jazz-Events, ich gehe auch nicht mehr zu Katzenausstellungen oder in Museen… Kleidung für mich kaufe ich so gut wie nie – meine Haare habe ich rückenlang wachsen lassen, so dass ich sie selbst schneiden kann… Handy lade ich nach Bedarf auf – ich komme mit 15 Euro allerdings ein Jahr aus.
Habe ich etwas vergessen – oder unzureichend erklärt?
Ach .. – muss man ja dazuschicken – ich habe bis zur Geburt meines Kindes gearbeitet – leider war mein Chef nicht so freundlich, das befristete Arbeitsverhältnis über den nachgeburtlichen Mutterschutz hinaus zu verlängern – aber selbst wenn er es getan hätte, wäre eine Jobaufnahme unmittelbar nach dem MuSchu nicht möglich gewesen…
Demnächst benötige ich übrigens einen neuen Staubsauger, weil mein alter (angeschafft 1993!) mir neuerdings die reibungslose Mitarbeit verweigert – außerdem müsste ich hier einmal streichen…
Aber… ich glaube, trotz meiner Erklärungen wird meine Offenheit hier bestimmt nicht zu meinem Vorteil gereichen oder gar Verständnis wecken…
Vermutlich habe ich das „Recht auf Leben“ verwirkt, als das Mutterschutzgeld der Krankenversicherung (anteilig Arbeitgeber) auslief und ich ALG II beantragen musste… schließlich hätte ich mir als 36 jährige Frau noch endlos lange Zeit lassen können mit dem ersten Kind… vielleicht war auch die Schwangerschaftsgestose oder aber die Presswehen schuld an der Netzhautablösung, die mich für Arbeitgeber, neben der Tatsache „Kind“ nicht besonders attraktiv macht…
welfareandeconomics sagte
Damit verbleiben Ihnen noch 311 € für zwei Personen zum Leben. Das ist nicht viel, allerdings haben Sie ja auch noch Einsparpotenzial: Telefon- und Internetflat gibt es für 30 €, kostenlose Kontenführung bei einigen Internetbanken, 10 € für die jeweiligen Versicherungen sind viel zu viel, das geht für weniger als die Hälfte, Windeln kann man waschen. Insgesamt könnten Sie da sicher noch einmal 50 € im Monat sparen.
Nun was soll’s, dies soll hier ja kein Haushaltsführungsratgeber werden.
nefertari1968 sagte
… Telefonflat benötige ich nicht, da ich letzten Monat für 49 Cent telefoniert habe, mir geht es primär um Internet und naja… um Zuverlässigkeit des Anbieters nebst Anbindung, ich mag keine Anbieter, die mich an der Haustür mittels verzweifelten „Billigarbeitnehmern“ zu ködern versuchen.
Meine Bank ist überaus kundenfreundlich und serviceorientiert und ich bin dort seit Jahren Kundin – ich möchte sie nicht gegen eine reine Internet-Bank „eintauschen“, vielleicht auch nicht, weil jeder wechselnde Kunde wiederum Arbeitsplätze kostet. Womöglich bin ich auch zu traditionell, weil mich ein Partnerunternehmen eben dieser Bank eine ganze Zeitlang ernährt hat…
… die Versicherungen sind nicht zu teuer, für das was sie letztlich bieten, ich bin bestimmt kein Sicherheitsfanatiker – aber eine allzu abgespeckte Absicherung ist fast so, wie gar keine Absicherung – und dann könnte ich in der Tat auch gleich die kompletten 21 Euro sparen.
Was die Windeln angeht… Waschen ist teuer (Wasser- und Energieverbrauch, Waschmittel), die Zwischenlagerung der Windeln gestaltet sich problematisch – sofortige Handwäsche ist letztlich nicht effektiv, unverzügliches „Auskoddeln“ in einem Topf auf dem Herd = Stromverbrauch hoch…
Dazu die Anschaffungskosten waschbarer Windeln, die Einlagen sind wiederum wiederum regelmäßig nachzukaufen (Wegwerfartikel). Daneben das Staunässeproblem (Bildung von Pilzen). Waschbare Windeln tragen auf, würden meinen Sohn also in seiner Bewegungsfreudigkeit behindern (unnötige Hüftspreizung käme noch hinzu).
… ich habe diese Überlegung, waschbare Windeln zu nutzen, tatsächlich erwogen, finde aber, dass nicht ausschließlich finanzielle Gesichtspunkte herangezogen werden sollten, zumal sich die finanzelle Ersparnis letztlich zu Lasten meines Kindes gestalten würde und rein wirtschaftlich betrachtet, kaum lohnend ist, wenn ich Energiekosten, Einlagen, Seife, Verschleiß und Pilzsalbe dagegenhalte….
Ansonsten war abzusehen, dass Sie in meinem offenen Beitrag noch Einsparpotential sehen würden – ich habe nicht erwartet, dass Sie entweder über Schweigen oder über einen neutralen Beitrag Akzeptanz walten lassen würden. Es tröstet mich wenig, dass ich wenigstens „Schonung“ erfahre, weil ich das Handy-Klischée nicht bedienen konnte.
Natürlich könnte ich mich darüber amüsieren, wenn Männer – selten damit konfrontiert – Stoffwindeln empfehlen… aber das ist ja gar nicht der Punkt… der Punkt ist, dass ich sie nutzen müssen sollte, weil ich dann 20 Euro mehr hätte, die mich weniger bedürftig machten… Es geht hier also nicht um Umweltaspekte oder um Vorteile für das Kind.
Es geht primär um die Rechtfertigung des niedrigen Regelsatzes – hier ja prinzpiell um die Darstellung des angeblich ausreichenden Sozialgeldsatzes.
Wie gut, dass mein Sohn derzeit nicht im Leistungsbezug steht (!) und sich über Kindergeld und Kindesunterhalt selbst versorgt… das bedeutet allerdings, er bezahlt seine Windeln selbst, neben seinem Mietanteil, taucht allerdings nicht in der Armutsstatistik für Kinder auf.
Ergo sollte er sich Wegwerfwindeln gönnen dürfen…. und ich glaube, ich verlasse jetzt diese Plattform vorrübergehend; ich mag mich nicht von Ihnen vorführen lassen – und nein, ich gehöre nicht zu dem, von Ihnen belächelten „Tacheles-Klientel“ – und gerade das gestaltet unsere Unterhaltung so zäh, gell?
Vielleicht äußern sich ja doch noch andere Betroffene hier, oder besser.. Geprächspartner, die Ihre Ansicht teilen – mich verwundert das geringe Feedback ohnehin.
In diesem Sinne….
gaston1 sagte
Zitat:
Damit verbleiben Ihnen noch 311 € für zwei Personen zum Leben. Das ist nicht viel, allerdings haben Sie ja auch noch Einsparpotenzial: Telefon- und Internetflat gibt es für 30 €, kostenlose Kontenführung bei einigen Internetbanken, 10 € für die jeweiligen Versicherungen sind viel zu viel, das geht für weniger als die Hälfte, Windeln kann man waschen. Insgesamt könnten Sie da sicher noch einmal 50 € im Monat sparen.
Nun was soll’s, dies soll hier ja kein Haushaltsführungsratgeber werden.
311 Euro zum Leben ist nicht nur nicht viel, es ist zu wenig. Davon abgesehen stimmt es nicht einmal. Denn davon sind noch gut 100 Euro für zu bildende Rücklagen in Abzug zu bringen. Macht also 211 Euro. Das wiederum bedeutet pro Tag und Person stehen für Nahrungsmittel 3,52 Euro zur Verfügung. Eine gesunde Ernährung ist damit ausgeschlossen.
Und in der Tat, das soll kein Haushaltsführungsratgeber werden. Sie wären dafür auch denkbar ungeeignet. Ihre Arroganz, gepaart mit Halbwissen, zeigt deutlich dass Sie nicht im Thema stehen. Sie theoretisieren ohne die Praxis auch nur im Ansatz zu kennen.
Ganz offensichtlich haben Sie sich noch nie mit Betroffenen auseinandergesetzt, sind nicht in der Lage auf die Beiträge inhaltlich tiefer einzugehen.
Sie ignorieren beharrlich das die Grundlage der Berechnung des Regelsatzes 10 Jahre alt ist, dass zwischenzeitlich die Lebenshaltungskosten durch Einführung des Euros, die Mehrwertsteuererhöhung, die Verteuerung der Energiekosten um weit mehr als 20% gestiegen sind.
Sie sprechen Bedürftigen die Fähigkeit ab, wirtschaften zu können, gestehen ihnen nicht die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben zu.
Fehlt nur noch, dass Sie die Unterbringung der Bedürftigen in Lagern vorschlagen, natürlich nur aus rein ökonomischen Beweggründen. Da könnte man dann auch gleich die Versorgung kostengünstig regeln und müsste den Bedürftigen nicht noch Bargeld in die geben, womit sie ja eh nicht umgehen können….
welfareandeconomics sagte
OK, Herr Staack – Sie haben Ihren Platz gehabt für Ihre Ausführungen. Kommentare dieser Art können Sie zukünftig in Ihrem Forum von sich geben. Sie werden sich nun mit diesem Kommentar von mir wieder in Ihrem Weltbild bestätigt fühlen – nun gut, ist doch auch was, oder?
Ich wünsche Ihnen weiterhin Viel Erfolg bei der Arbeitssuche (was ich übrigens nicht ironisch meine).